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Gibt es die richtige Haltungsform für Pferde?

Wie so Vieles lässt sich auch diese Frage mit einem klaren Jein beantworten. Unter uns Pferdeleuten werden viele Bereiche mit Herzblut diskutiert.

Bei Fragen nach dem richtigen Futter, barhuf oder Hufeisen, Western oder Englisch, baumloser Sattel oder mit Baum (diese Aufzählung könnte beliebig fortgesetzt werden) scheiden sich die Geister, Gleichgesinnte finden sich, Diskussionen und Streitgespräche entstehen – so auch bei der Haltungsform.

Box, Box mit Paddock, Laufstall, Offenstall, Aktivstall – gemischte Herden oder nicht.

Eins vorweg: Natürlich ist eine reine Boxenhaltung, ohne ausreichend Auslauf – Pferde die vor allem im Winter teils 24 Stunden – evlt. mit etwas Unterbrechung während des Reitens – indiskutabel. Nur wird häufig genau dies unterstellt, wenn ein Pferdebesitzer erwähnt, dass sein Pferd in einer Box gehalten wird. Die Haltung in Offen- und Aktivställen wird häufig als die einzig wahre Form angesehen. Schön wenn es so einfach wäre, aber die Welt ist nicht schwarz-weiß, sondern bunt und bietet viele Möglichkeiten. Und das Leben besteht aus Kompromissen. Alle Beteiligten müssen auch hier Kompromisse eingehen – der Pferdebesitzer, der Stallbetreiber und auch das Pferd. Die Kunst ist es die Lösung zu finden, mit der alle gut leben können – nicht nur das Pferd.

Natürlich ist das Pferd ein Herdentier (hier lohnt es sich jedoch anzuschauen, wie sich eine Herde in freier Natur zusammensetzt), es braucht Sozialkontakt und vor allem genügend Bewegung. Es sollte grasen oder fressen, sich im Schritt fortbewegen und ab und zu auch mal einen Sprint einlegen können. Es braucht aber auch seine Ruhezonen, einen trockenen und windgeschützten Bereich, eine bequeme Liegefläche – kurzum seinen individuellen Komfortbereich.

Es gibt wunderschöne und gut durchdachte Offen- und Aktivställe, die es schaffen, diesen durchaus komplexen Anforderungen weitestgehend zu genügen. Aber auch hier findet man Boxen – ein Pferd kann krank sein, darf sich nicht bewegen oder stellt eine Gefahr für andere dar oder es muss sich erst eingewöhnen. Ja es gibt diese nahezu perfekten Ställe, doch sie sind die Ausnahme. Häufig sehen Offenställe anders aus. Hier nur einige Punkte, die häufig vorzufinden sind:

  • Zu kleine Ställe für zu viele Pferde
  • Matschige Paddocks – keine oder nur zu kleine befestigte Flächen
  • Keine ausreichend eingestreuten Liegeflächen (Anmerkung: das Verlegen von Stall- oder Fallschutzmatten stellt noch lange keine vernünftige Liegefläche dar)
  • Keine Futterzonen, in denen jedes Pferd in seinem eigenen Tempo in Ruhe fressen kann – durchdachte Fressständer bieten eine einfache Lösung
  • Nicht genügend Angebote an Heu- und Wasserstellen

Auch werden Pferde einfach zu einer Herde zusammengestellt – jeder muss irgendwie mit jedem auskommen; Alter, Geschlecht, Vorlieben und „Macken“ werden nicht berücksichtigt. Häufig fällt der Satz: die Pferde regeln es unter sich; die Rangordnung stellen sie alleine her und sie müssen sich erstmal an einander gewöhnen.

Nur so funktioniert es leider nicht. Unsere Pferde können sich manchmal nicht riechen, Empfinden Argwohn, Angst oder Unwohlsein bei anderen Pferden. Gerade rangniedrige Pferde gehen häufig „unter“, haben Stress, kommen nicht ans Heu, werden gejagt und kommen nicht zur Ruhe. Stuten werden besprungen, alte Pferde werden „aussortiert“.

In freier Natur suchen sich Pferde ihre „Kumpels“ oder „Freundinnen“ aus, mit denen sie weiterziehen. Kranke und schwache Pferde werden zurückgelassen. Dieses Verhalten ist für eine Herde überlebenswichtig.

So häufen sich auch die Fälle von Pferden die Symptome von Narkolepsie zeigen. Sie knicken ein oder weg, stolpern häufig, wirken depressiv. Wirft man dann einen Blick auf die Haltungsform Offenstall und beobachtet die Situation des Pferdes, drängt sich der Verdacht auf, dass es einen Zusammenhang gibt. Es fehlen die nötigen Ruhezeiten und auch einfach Schlaf – Schlaf bei dem das Pferd bequem liegen kann, nicht gestört wird und zur Ruhe kommt.

Gerade rangniedrige Pferde haben häufig übermäßigen Stress, weil sie um ihr Fressen kämpfen müssten, sich aber nicht durchsetzen können. Sie stehen ständig unter „Strom“, bereit die Flucht zu ergreifen. Auch alte Pferde leiden öfter im Offenstall.

In großen Anlagen – ob Offenstall oder Box – kommt es auch häufig zu Wechseln. Was in der Box wenig Stress bereitet, wenn ein neuer Nachbar einzieht, kann in einer Herde zu massiver Unruhe führen.

Eine sinnvolle Alternative oder auch die bessere Lösung, kann da eine schöne große, helle und luftige Box mit oder ohne Paddock sein. Tagsüber in harmonischen Gruppen auf Wiesen oder Paddocks – und nachts in einer geschützten Umgebung. Und sollte der „Auslauf“ mal ausfallen, hält es sich auch mal drinnen gut aus. Was spricht dagegen?

Für viele Pferde ist eine vernünftige Offenstallhaltung mit Sicherheit die beste Haltungsform. Herden, die mit einander harmonieren, Pferde die gegenseitig Fellpflege betreiben, ausgeglichene Pferde, die sich ausreichend bewegen. Pferde finden die nötige Sicherheit innerhalb der Gruppe – jedes einzelne kann sich ausruhen, da ein anderes Herdenmitglied die Wache übernimmt. Ein Phänomen, dass man häufig beobachten kann. Alle Pferde einer Herde liegen und entspannen – interessanter Weise legen sich die einzelnen Pferde mit dem Kopf in unterschiedliche Himmelsrichtungen. So hat es ein Jäger schwerer, sich unbemerkt an die Herde ran zu schleichen. Und ein Pferd steht und behält den Überblick.

Bei großen Gruppen finden sich kleinere Verbände zusammen. Freundschaften werden geschlossen und gepflegt.

Und auch bei den Boxenpferd ist Zufriedenheit und Ausgeglichenheit zu beobachten. Jedes Pferd kann zur Ruhe kommen, genießt den Schutz der eigenen vier Wände, muss sein Futter nicht verteidigen. Häufig ist Fellpflege auch über die Abtrennungen möglich und tagsüber stehen sie mit Artgenossen zusammen und können sich bewegen.

So haben alle Haltungsformen ihr Für und Wider. Jeder Pferdebesitzer muss für sich und sein Pferd die bestmögliche Unterbringung individuell finden. Eins haben jedoch alle Formen gemein. Keine dieser Formen befreit den Besitzer von der Pflicht, sich ausreichend um sein Pferd zu kümmern. Auch die erwünschte ausreichende Bewegung entbindet uns nicht davon, selbst für zusätzliche Bewegung zu sorgen. Reiten, Bodenarbeit, Spaziergänge sind nötig. Ein gesundes Pferd muss auch an seine Grenzen kommen – nicht darüber hinaus. Bewegung ist der Motor für einen gesunden Stoffwechsel und ein aktives Immunsystem. Da reicht es nicht, dass sich unsere Tiere im Offenstall den ganzen Tag gemütlich bewegen. Es fehlt der Puma, der sich anschleicht und die ganze Herde zur Flucht bewegt; das Herz-Kreislauf-System hochfährt und die Atemwege befreit. Use it or loose it – für den ein oder anderen harte Worte, die jedoch im Sinne der Pferde einen durchaus sinnvollen Leitsatz darstellen.

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